Industrielle versus ökologische Landwirtschaft
In der Provinz Quindío in den kolumbianischen Anden hat jahrzehntelange Abholzung für Viehweiden und Monokulturen die Landschaft tiefgreifend verändert. Wälder wurden fragmentiert und Wassersysteme gestört. Bodendegradation und Erosion, insbesondere an Steilhängen, waren die Folge und haben schwere Schäden hinterlassen. Der vom Menschen verursachte Klimawandel mit seinen zunehmenden Extremwetterereignissen – Starkregen und anhaltenden Trockenperioden – beschleunigt diese Prozesse. Pflanzen geraten unter Stress, verlieren ihre Widerstandsfähigkeit und werden leichter von Krankheiten und Insekten befallen.
Die industrielle Landwirtschaft bekämpft diese Auswirkungen mit chemischen Produkten: Kunstdüngern, Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden. Diese zerstören jedoch auch die Mikroorganismen im Boden, mithin die natürliche Regenerationsfähigkeit des Bodens, und verschärfen so die Krise: Der Mangel an Nährstoffen und Schutz muss zunehmend durch chemische Produkte ausgeglichen werden, bis der Boden ‘tot’ ist.
Die ökologische Restaurierung verfolgt einen anderen Ansatz: Sie zielt darauf ab, die natürliche Vegetation wiederherzustellen, die den Boden und seine Bewohner in mehreren Schichten schützt und mit Nährstoffen versorgt. Das Blätterdach von Schattenbäumen schirmt den Boden vor zu starker Sonneneinstrahlung ab und dämpft den Regen. Nützlinge wie Vögel und Bienen finden in den Bäumen und Sträuchern Schutz und Nahrung. Der Boden ist von einer dicken Humusschicht bedeckt, die aus abgefallenen Blättern und Ästen besteht. Mikroorganismen zersetzen diese Schicht und wandeln sie in Nährstoffe um. Humus speichert große Mengen Regenwasser und gibt es nach und nach wieder ab. Die Baumwurzeln festigen den Boden. Dadurch entsteht ein günstiges Mikroklima und ein stabiles Umfeld, in dem Kaffee prächtig gedeiht.
Ökologischer Landbau ist längst kein Nischenprodukt mehr für Öko-Freaks, sondern wahrscheinlich die einzig praktikable Option, den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Er ermöglicht nicht nur eine widerstandsfähige Landwirtschaft, sondern hilft uns auch, die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen, da diese Anbaumethode große Mengen CO₂ aus der Atmosphäre aufnimmt und in Pflanzen und Böden speichert.
Von Rinderweiden zu Wald
Bis 2016 grasten schwere Kühe an den steilen Hängen der Finca la Esmeralda. Die Fleischindustrie, insbesondere die Rinderhaltung, trägt maßgeblich zum Klimawandel bei. Neben dem enormen Verlust an Biomasse und Artenvielfalt durch Abholzung produzieren die Rinder das klimaschädliche Treibhausgas Methan. Daher haben wir beschlossen, die Rinderhaltung einzustellen. Der Umstieg auf andere landwirtschaftliche Produkte wie Kaffee gestaltet sich schwierig, da die schweren Tiere den Boden verdichtet und mit ihrem Urin versauert haben.
Wir haben Rinderweiden auf einer Fläche von rund 5 Hektar renaturiert, kilometerlange Stacheldrahtzäune entfernt und Inseln mit Pionierbäumen angelegt. Die jungen Bäume haben wir wiederholt von aggressivem Unkraut, Weidegräsern und einem invasiven Farn befreit, der auf den sauren Böden gedeiht. Dadurch verschaffen wir den gepflanzten und selbst aussäenden Bäumen einen Wachstumsvorteil. In relativ kurzer Zeit ist hier ein lichter Jungwald mit einer beeindruckenden Baumvielfalt entstanden, den wir nun systematisch mit seltenen und ökologisch wertvollen Arten anreichern.
Natürliche Regeneration und ökologische Restauration
Kolumbien bietet eine erstaunliche Artenvielfalt. Bislang haben wir auf unserer Farm über 130 einheimische Baumarten entdeckt. Viele von ihnen weisen besondere Eigenschaften auf, die ihnen die Anpassung an schwierige Bedingungen ermöglichen.
- Es gibt Pionierbäume, die auf kargen Böden gedeihen.
- Schnellwachsende Bäume schaffen es, hohes Gras zu durchdringen. Ihre herabfallenden Blätter verdrängen Unkraut und ermöglichen es langsamer wachsenden Bäumen, in ihrem Schatten heranzuwachsen.
- Leguminosen absorbieren Luftstickstoff und wandeln ihn in Proteine um. Ihre abgefallenen Blätter und Zweige dienen anderen Pflanzen als Nährstoffquelle.
- Bäume mit massiven Wurzeln entnehmen Nährstoffe aus tiefen Bodenschichten und stellen sie der Biosphäre zur Verfügung.
- Manche Pflanzen speichern große Mengen Wasser und geben es das ganze Jahr über wieder ab.
In manchen Gebieten gelingt es einer Ansammlung von Pionierbäumen und nachfolgenden Waldbäumen, degenerierte Böden und entwaldete Flächen ohne menschliches Zutun wiederherzustellen. Die Samen gelangen durch Wind, Vögel und Säugetiere aus den umliegenden Waldgebieten dorthin.
Diese natürliche Regeneration kann einige Jahre, aber auch Jahrzehnte dauern. Wir beschleunigen sie, indem wir das Gras mähen und junge Bäume von Kletterpflanzen befreien. In stark geschädigten Gebieten, wo aggressive Unkräuter, Kletterpflanzen und ausgelaugte Böden vorherrschen, kann die natürliche Regeneration sogar ganz ausbleiben. Hier greifen wir ein, um den Bäumen einen Vorteil zu verschaffen, indem wir das Unkraut so lange entfernen, bis selbstaussäende Bäumchen Überhand gewinnen. Wir pflanzen Pionierpflanzen und Spezies, die Vögel anlocken, die wiederum neue Baumsamen mit ihrem Kot verbreiten. Später kommen Waldbäume und seltene Arten hinzu, um die Artenvielfalt wiederherzustellen.
Ausgehend von unserer Erfahrung und auf der Grundlage wissenschaftlicher, ökologischer und sozioökonomischer Prinzipien bieten wir anderen landwirtschaftlichen Betrieben und Projekten, die eine nachhaltige Umkehr des Waldverlustes anstreben, unsere Beratung und Unterstützung an.
- Unsere Projekte sind kosteneffizient und nachhaltig.
- Wir entwickeln Renaturierungsmodelle, die auf die Bedürfnisse jeder einzelnen Farm zugeschnitten sind.
- Wir pflanzen eine breite Palette an Bäumen – rund 100 verschiedene einheimische Arten, darunter auch einige gefährdete –, die wir nach natürlichen Gegebenheiten und der ursprünglichen Vegetation auswählen.
- Wir arbeiten transparent und informieren regelmäßig.
- Unsere Kosten sind überschaubar, da wir keine teure Verwaltung unterhalten und keine klimaschädlichen Flüge zu unseren Projekten buchen. Wir verwenden einheimische Pflanzen aus unserer eigenen Baumschule und organisieren Anpflanzung und Pflege selbst.





